Der Kirchenbote

Über Engel weiß wohl jeder etwas zu sagen. Oft auch Menschen, die nicht an Gott glauben. Engel sind in aller Munde, auf vielen Postkarten und Bildern, als Stoffwesen und in der Werbung.

Auch die Frau, von der ich jetzt erzähle, hat ihre Engelgeschichte. Über meinem Kinderbett, erzählte mal eine etwa achtzigjährige Frau, hing ein einfaches Bild. Auf dem Bild war ein altes Kinderbett zu sehen, sogar noch mit Gittern an allen Seiten. In dem Kinderbett schlief friedlich ein Kind, eingehüllt in eine Decke. Um das Bett herum standen schlanke, große Wesen mit Flügeln, vierzehn Engel, wie in dem Abendlied, dem Abendsegen aus der Oper Hänsel und Gretel. Dann sagte die Frau auswendig das Gedicht, das in der Oper von Hänsel und Gretel von den beiden gesungen wird:

Abends will ich schlafen gehn,

vierzehn Engel um mich stehn,

 zwei zu meinen Häupten, zwei zu meinen Füßen,

 zwei zu meiner Rechten, zwei zu meiner Linken,

 zweie die mich decken, zweie die mich wecken,

 zweie die mich weisen zu Himmels Paradeisen.

 Ich kannte das Gedicht auch und hörte der Frau gerne zu, denn dann sagte sie noch: Dieses Bild mit den vierzehn Engeln, die um das Kinderbett stehen und das schlafende Kind behüten, hat ein Leben lang um meine Seele gelegen wie eine warme Decke. Es ist verblüffend, sagte sie, wie klein manche Dinge sind, die ein schweres Leben mittragen. Da hat die Frau recht, finde ich. Es sind manchmal nur kleine Dinge – Bilder, Worte, Erinnerungen an Menschen – die ein Leben prägen, vielleicht auch tragen. Und manche Bilder oder Menschen sind dann in unserer Vorstellung wie Engel, wie der Schutz und die Begleitung des Himmels. Engel sind unsere Hoffnung im Leben. Die Hoffnung darauf, dass es gut ausgeht, unser Leben – gut ausgeht in den Augen Gottes. Er bestimmt, was gut ist für mich. Und er sorgt dafür, dass ich das erkenne. Denn ich erkenne ja seine Engel, seinen Schutz, sein Behüten – wenn ich es erkennen will. Und wenn ich meine und sage, dass mich ein Engel behütet hat oder rechtzeitig in den Weg gestellt hat – wie immer dieser Engel auch aussah – dann danke ich und preise meinen Schöpfer. Er selbst begegnet mir in seinem Engel und sagt mir: Du bist mein Kind, du stehst unter meinem Schutz. Und ich erkenne dankbar: Das Böse und Bittere gewinnt nicht. Gott hat die Macht. Der kleine, vielleicht zarte Engel von nebenan ist mein Sinnbild für die Macht Gottes.

Ihr Pfarrer Peter Klukas

 

Monatsspruch zum Monat September:

Ja, Gott war es, der in Christus die Welt mit sich versöhnt hat.

(2. Korinther 5, 19)